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Positionspapier

Positionspapier der DJO-Deutsche Jugend in Europa

Verabschiedet durch den 45. Bundesjugendtag vom 04.-06.02.2000 in Duderstadt


1. Präambel


2. Handlungsauftrag in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung

2.1. Für ein Europa ohne Grenzen

2.2. Deutschland als Mehrkulturengesellschaft


3. Jugendpolitische Grundsätze der DJO-Deutsche Jugend in Europa

3.1. Allgemeine Grundsätze

3.2. Integrationsarbeit mit jungen Zuwanderern

3.3 Internationale Jugendarbeit



1. Präambel

Die DJO- Deutsche Jugend in Europa wurde 1951 als Deutsche Jugend des Ostens (DJO) in der Bundesrepublik Deutschland von und für Kinder und Jugendliche aus den ehemaligen deutschen Ost- und Siedlungsgebieten gegründet, die sich nach der Flucht und Vertreibung von Deutschen plötzlich als Heimatlose und Fremde zumeist in den westlichen Besatzungszonen befanden. In den ersten Jahren nach der Gründung bestand der Sinn des Jugendverbandes darin, diesen Kindern und Jugendlichen einen Ort für gemeinsame Betätigung zu geben. Die Pflege der Kultur, Sprache und Gebräuche der Herkunftsgebiete bot Schutz und Geborgenheit gegenüber der alltäglichen Erfahrung von Fremdheit, Ausgrenzung und Ablehnung.

Entsprechend der unterschiedlichen Herkunftsgebiete vor der Flucht und Vertreibung schlossen sich unter dem Dach der DJO landsmannschaftlich organisierte Jugendverbände zusammen. Zusätzlich entwickelte sich über Kontakte zur einheimischen Bevölkerung eine zweite, in Landes-, Bezirks-, Kreis- oder Stadtverbände gegliederte Säule.

Im Zuge der erfolgreichen Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft und dem Entstehen einer in Westdeutschland geborenen, zweiten und dritten Generation veränderten sich Arbeitsweise, Zielsetzung und Mitgliederstruktur des Verbandes. Dies fand nach den Diskussionen um die "Neue Ostpolitik" seinen Niederschlag in der 1974 beschlossenen Erweiterung des Verbandsnamens in "DJO-Deutsche Jugend in Europa", mit dem die europäische Dimension eines friedlichen Zusammenlebens verschiedener Kulturen und Völker in den Vordergrund gestellt wurde. Die Deutsche Jugend des Osten war in der Bundesrepublik heimisch geworden und erreichte mit ihren Angeboten zunehmend Jugendliche ohne Vertreibungshintergrund: Gemeinsam suchte man verstärkt den Dialog mit den östlichen Nachbarn.

Grundlegend neue Bedingungen der internationalen Jugendarbeit ergaben sich mit den Umbruchprozessen in Ost- und Ostmitteleuropa: Die DJO-Deutsche Jugend in Europa konnte ihre Zielsetzung von Verständigung durch Begegnung in Austauschprojekten aktiv verfolgen, zuerst mit jungen Ungarn, später mit jungen Tschechen, Slowaken und Polen, heute in fester und regelmäßiger Kooperation mit Jugendlichen aus allen östlichen und südöstlichen Ländern Europas unter Einschluß der baltischen Staaten.

Die steigende Zuwanderung von Spätaussiedlern in die Bundesrepublik führte seit Ende der 80er Jahre zu einer verstärkten Schwerpunktsetzung der DJO-Deutsche Jugend in Europa: Die Erfahrungen, die die Flüchtlings- und Vertriebenengeneration bei ihrer eigenen Integration gemacht hatten, wurden nun den jungen Spätaussiedlern aus Polen, Rumänien und der Sowjetunion bzw. ihren Nachfolgestaaten im Rahmen der Verbandsarbeit zur Verfügung gestellt.

1990 nahmen der Jugendbund Deutscher Regenbogen, ein 1989 in der politischen Wendezeit in der DDR gegründeter Jugendverband, und die DJO-Deutsche Jugend in Europa intensive Gesprächskontakte auf. Die sechs Landesverbände des Jugendbundes Deutscher Regenbogen schlossen sich 1990 der DJO-Deutsche Jugend in Europa an. Beide, neue und alte Landesverbände, arbeiteten mit der Zielsetzung, als gleichberechtigte Partner in einem Jugendverband zu wirken und so die innere Einheit unseres Landes umzusetzen. Heute sind die neuen Landesverbände ein integraler Bestandteil der föderalen Struktur des Verbandes.

Vor dem Hintergrund dieser Entstehungsgeschichte setzt sich die DJO-Deutsche Jugend in Europa zukünftig zum Ziel, verstärkt für die Belange jugendlicher Migrantinnen und Migranten einzutreten. Dies geschieht insbesondere durch die Öffnung des Verbandes für selbstorganisierte Gremien und Verbände jugendlicher Zuwanderer.

Gegenwärtig setzt sich die DJO-Deutsche Jugend in Europa folgende Schwerpunkte:
- die Schaffung eines geeinten, demokratischen Europa, in dem der trennende Charakter von Grenzen überwunden wird,

- die Pflege, Erhaltung und Weiterentwicklung von regionalen und Minderheitenkulturen, unter anderem der Kultur der ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete,

- die Förderung der kulturellen Betätigung von jungen Zuwanderern als Mittel zur Identitätsstiftung und Hilfe zur Integration,

- die auf Respekt und Toleranz zwischen den Kulturen ausgerichtete Jugendarbeit mit Zuwanderern unterschiedlicher Herkunft,

- die Bereitstellung eines jugendpolitischen und organisatorischen Rahmens, in dem sich Zuwandererverbände selbstorganisiert und im Kontakt mit anderen bewegen können,

- in der internationalen Jugend- und Kulturarbeit die auf Ausgleich, Versöhnung und Verständigung gerichtete Begegnung, insbesondere mit den ostmittel-, ost- und südosteuropäischen Nachbarn und der Vielfalt der in diesen Regionen lebenden Völker,

- die weltweite Ächtung von Vertreibungen sowie das Einsetzen für die sozialen, politischen und kulturellen Rechte von Flüchtlingen und Vertriebenen.


2. Handlungsauftrag in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung

Aus dem Bekenntnis zu
- den Menschenrechten, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dargelegt sind

- der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, wie sie dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland zugrunde liegt

- den Grundsätzen und Zielen der Flüchtlingspolitik der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951

sowie

- der "Charta von Paris 1990"

sieht die DJO-Deutsche Jugend in Europa ihre Aufgabe vorrangig darin:

- Kindern und Jugendlichen die Bedeutung dieser Rechte und Werte für ein friedliches, demokratisches und gerechtes Zusammenleben zu vermitteln,

- bei Kindern und Jugendlichen die Bereitschaft und Fähigkeit zu fördern, aktiv für die Erhaltung und Durchsetzung dieser Werte einzutreten,

- bei Kindern und Jugendlichen das Bewußtsein dafür zu fördern, dass ein demokratisches Zusammenleben auf die Beteiligung aller angewiesen ist.

Für die DJO-Deutsche Jugend in Europa sind die elementaren Freiheits- und Gleichheitsrechte unantastbar. Deswegen fordert sie, dass die Menschenrechte unmittelbar geltendes Recht werden und bei übergeordneten und internationalen Gerichten eingeklagt werden können und begrüßt die Einrichtung des Europäischen Gerichtshofes in Straßburg sowie des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag als richtige Schritte in diese Richtung.
Die DJO-Deutsche Jugend in Europa verurteilt Verletzungen von Menschen- und Grundrechten in aller Welt.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa setzt sich für umfassende Rechte von ethnischen Minderheiten und Volksgruppen ein. Sie ist der Auffassung, dass nur eine umfassende Garantie der politischen, sozialen und kulturellen Rechte von Minderheiten ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Gruppen unterschiedlicher Herkunft gewährleisten kann. Zu Minderheitenrechten gehören insbesondere auch das Recht und die Förderung der kulturellen Betätigung sowie die schulische Förderung des Spracherhaltes.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa stellt fest, dass Vertreibungen und Umsiedlungen von ganzen Bevölkerungsgruppen nach wie vor zum Repertoire von binnen- und zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen gehören.

Auf Grund der leidvollen Erfahrungen während und nach dem II. Weltkrieg wird die DJO-Deutsche Jugend in Europa nicht nachlassen, derartige Rechtsverletzungen anzuprangern.
Die DJO-Deutsche Jugend in Europa bekennt sich hierbei zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Alle Menschen haben ein Recht auf ihre Heimat.
Für die DJO-Deutsche Jugend in Europa gehört es im Streben nach Verwirklichung der Menschenrechte zu den vordringlichen Aufgaben, den Abbau sozialer, politischer und wirtschaftlicher Ungleichheit zwischen Industrie- , Entwicklungs- und Schwellenländern voranzutreiben. Alle Menschen haben ein Recht auf ein Leben in menschenwürdigen Verhältnissen.


2.1. Für ein Europa ohne Grenzen

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa unterstützt alle Maßnahmen, die die europäische Einigung auf der Grundlage von Demokratie, der Garantie von Menschen- und Minderheitenrechten und dem Grundsatz der Subsidiarität befördern.
Sie setzt sich für ein Europa der Regionen und der kulturellen Vielfalt ein. Sie setzt sich insbesondere für die Einbeziehung der Staaten Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas in die Europäische Union ein.

Die EU muss in ihrer wirtschaftlichen und politischen Organisation strukturelle Bedingungen schaffen, die beitrittswilligen und -fähigen Staaten die Integration ermöglichen.
Die DJO-Deutsche Jugend in Europa ist sich bewußt, dass ein einiges und friedliches Europa nur auf Grundlage der Angleichung der sozialen Lebensbedingungen existieren kann.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa sieht in der Erweiterung der Kompetenzen der demokratischen Institutionen, insbesondere des Europäischen Parlamentes, einen wesentlichen und notwendigen Schritt, um die europäische Einigung weiter voranzutreiben.

Nach den politischen Umbruchprozessen in den Staaten Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas ist der Weg frei für eine auf Ausgleich, Versöhnung und Verständigung gerichtete Zusammenarbeit. Die DJO-Deutsche Jugend in Europa begreift es als Chance und Aufgabe, sich in Kenntnis der gemeinsamen Geschichte mit den Mitteln der Jugendarbeit für ein Zusammenwachsen Europas einzusetzen.
Sie sieht es als ihre Aufgabe an, bei der Überwindung der politischen, kulturellen und sozialen Barrieren mitzuwirken.


2.2. Deutschland als Mehrkulturengesellschaft

Seit ihrer Gründung hat die Bundesrepublik kontinuierlich Zuwanderung erfahren. Die DJO-Deutsche Jugend in Europa ist der Auffassung, dass dieser politisch gewollten Zuwanderung auch der politische Wille zur sozialen, schulischen, beruflichen, kulturellen und rechtlichen Integration gegenüberstehen muss.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa sieht jugendliche Zuwanderer als wesentliche Zielgruppe ihrer Jugendarbeit und sieht ihre Aufgabe darin, junge Zuwanderer - Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene - mit den Mitteln der Jugendhilfe bei der Integration in die Gesellschaft der Bundesrepublik zu unterstützen.

Deswegen setzt sich die DJO-Deutsche Jugend in Europa dafür ein, die politischen Rahmenbedingungen zur Integration der hier geborenen oder aufwachsenden Kinder und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien zu verbessern.


Dazu gehört insbesondere
- die rechtliche Gleichstellung im Sinne einer vorrangigen Anwendung des Kinder- und Jugendhilferechtes,

- die Ergänzung des Staatsangehörigkeitsrechtes um Elemente des ius soli (Geburtsortsrechtes),

- ein verbessertes Angebot der sprachlichen, schulischen und beruflichen Förderung,

- die bewusste Förderung der kulturellen Aktivitäten von Migranten und Migrantenverbänden.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa versteht die Integration von Zuwanderern als wechselseitigen Prozess.

Sie erwartet von Migrantinnen und Migranten wie auch von der einheimischen Bevölkerung einen toleranten Umgang miteinander auf der Basis der dem Grundgesetz zugrundeliegenden Werte.

Sie wendet sich gegen jede Form von Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Zuwanderung von Spätaussiedlern, Flüchtlingen und Arbeitsmigranten wird es auch künftig geben. Die DJO-Deutsche Jugend in Europa fordert deshalb von den politischen Instanzen, die künftige Zuwanderung von Arbeitsmigranten, Spätaussiedlern und Flüchtlingen gerecht und transparent zu gestalten.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa setzt sich dafür ein, das Flüchtlingsrecht auf europäischer Ebene zu harmonisieren. und fordert als inhaltliche Standards ein Grundrecht auf Asyl für politische Flüchtlinge sowie die Einhaltung der Bestimmungen der Genfer Flüchtlingskonvention in bezug auf Aufenthalt, Rückführungen und Abschiebungen.



3. Jugendpolitische Grundsätze der DJO-Deutsche Jugend in Europa

3.1. Allgemeine Grundsätze

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa sieht in der auäerschulischen Kinder- und Jugendarbeit freier Träger einen wesentlichen und immer mehr an Bedeutung gewinnenden Sozialisationsbereich in einer sich stark verändernden Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.
Die in der Jugendarbeit der DJO-Deutsche Jugend in Europa erfahrbaren Eindrücke des gemeinschaftlichen Erlebens und Handelns, der freiwilligen Teilnahme und Mitverantwortung, der individuellen Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung, tragen in besonderer Weise zur Entwicklung persönlicher Fähigkeiten und sozialer Kompetenzen junger Menschen bei.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa bietet Kindern und Jugendlichen Werte-Orientierung, schafft Freiräume und Rahmenbedingungen für die jeweils eigene Standortbestimmung, Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa setzt sich als generelles Ziel ihrer politischen Jugendbildung, bei Kindern und Jugendlichen Interesse für die Gestaltung ihrer Lebenswelt zu wecken und sie dazu zu befähigen, politische Auseinandersetzungen handlungs- und lösungsorientiert und unter Wahrung von legitimen Rechten und Meinungen anderer zu führen.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa hält es für notwendig, die Mitwirkungs- und Mitentscheidungsmöglichkeiten für Kinder- und Jugendliche an politischen und gesellschaftlichen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen zu verbessern. Sie unterstützt diejenigen Forderungen und Initiativen, die für die Belange von allen Kindern und Jugendlichen weitere Beteiligungsformen eröffnen und Partizipationsrechte verstärken.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa setzt sich dafür ein, dass jedem jungen Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Vorbildung oder Wohnort ein umfassender Zugang zu Bildung garantiert werden muss. Hierzu gehört das Recht auf eine qualifizierte schulische und berufliche Ausbildung, die Möglichkeit der Teilnahme an außerschulischen Bildungsangeboten und das Recht auf freie Berufswahl.

Die DJO Deutsche Jugend in Europa arbeitet als föderal und demokratisch aufgebauter Verband auf der Basis der freiwilligen und ehrenamtlichen Jugendarbeit. Sie tritt dafür ein, die notwendigen Freiräume für das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen in der Kinder- und Jugendarbeit zu wahren und weiterzuentwickeln. Sie setzt sich für die öffentliche Anerkennung und Wertschätzung ehrenamtlicher Tätigkeit als wichtigem Beitrag zu einer demokratischen Gesellschaft ein.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa sieht in der Arbeit von Jugendverbänden einen wichtigen Beitrag zur Demokratie. Sie fordert die rechtliche Anerkennung und materielle Absicherung von Jugendverbandsarbeit durch Bund, Länder und Gemeinden.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa arbeitet auf der Grundlage ihrer Zielsetzungen mit anderen Organisationen, Einrichtungen und Gremien der nationalen und internationalen Jugendhilfe und Jugendpolitik zusammen. Schwerpunkt ist die Mitarbeit in den lokalen wie überregionalen Jugendringen sowie die Beteiligung an den Mitwirkungsmöglichkeiten der öffentlichen Jugendhilfe (Jugendhilfeausschüsse etc.).

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa ist unter anderem Mitglied des Deutschen Bundesjugendringes, sie arbeitet in der Deutschen Stiftung für UNO-Flüchtlingshilfe mit, in der Europäischen Bewegung Deutschland und ist Initiator und Gründungsmitglied des Europäischen Kulturverbandes EFCO.

Des weiteren ist sie Mitglied im Informations- Dokumentations- und Aktionszentrum gegen Ausländerfeindlichkeit für eine multikulturelle Gesellschaft (IDA) sowie in der Gesellschaft für bedrohte Völker.



3.2. Integrationsarbeit mit jungen Zuwanderern

Außerschulische und selbstorganisierte Jugendarbeit mit und für junge Zuwanderer ist für die DJO-Deutsche Jugend in Europa eine notwendige und präventive Ergänzung zu den weitgehend überlasteten Sozialisationsinstanzen wie Schule, Arbeitswelt und Elternhaus.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa sah und sieht vor dem Hintergrund der Verbandshistorie und der Ursprünge des Verbandes immer eine enge Verbundenheit zu den Problemen von Flüchtlingen, Vertriebenen und anderen Zuwanderern.

Die im Verband vorhandenen Erfahrungen und Fähigkeiten, sich als junge Flüchtlinge, Vertriebene und Aussiedler in der "Fremde" eine neue Heimat suchen zu müssen und ihre kulturellen Eigenheiten zu bewahren und weiterzuentwickeln, machen die DJO-Deutsche Jugend in Europa zum kompetenten Partner und Anwalt für alle jungen Zuwanderer, die nach Deutschland kommen oder kamen.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa versteht Integration als wechselseitigen und andauernden Prozess, von dem auch die gegenwärtige Mehrheitskultur berührt wird.

Dabei möglicherweise auftretende Fragen der Identitätsfindung, der kulturellen Bindung und gesellschaftlicher Veränderung können nur gelöst werden, wenn die Fähigkeit und Bereitschaft zu interkulturellem Lernen auf allen Seiten vorhanden ist und niemand dazu gezwungen wird, seine kulturelle Identität aufzugeben.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa fordert für das Zusammenleben in einer mehrkulturellen Gesellschaft Toleranz, Respekt und Verständnis.

Zielgruppe der Jugendarbeit mit und für Zuwanderer sind damit auch die einheimischen Kinder und Jugendlichen.

Als Beitrag zu einer Gesellschaft, in der Menschen- und Minderheitenrechte gelten sollen, bilden Fragen der kulturellen, sozialen und politischen Rechte von ethnischen Minderheiten sowie von Flüchtlingen und Vertriebenen einen wichtigen Gegenstand der politischen Jugendbildung



3.3. Internationale Jugendarbeit

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa versteht internationale Jugendarbeit als Beitrag zum Frieden und zur Verständigung von und zwischen jungen Menschen.
Die DJO-Deutsche Jugend in Europa versteht die eigene internationale Jugendarbeit vor dem Hintergrund der europapolitischen Zielsetzungen als Wahrnehmung einer Brückenfunktion zwischen Ost und West.
Vor dem Hintergrund der Verbandsgeschichte soll ein kontinuierlicher Austausch im kulturellen und jugendpolitischen Bereich die Begegnung und Zusammenarbeit von jungen Menschen in Europa vermitteln und ermöglichen.

Grundsatz der internationalen Jugendarbeit des Verbandes ist die Förderung von interkulturellem Lernen bei Kindern und Jugendlichen, thematischer Schwerpunkt die Beschäftigung mit regionaler Kultur und Problemen ethnischer Minderheiten.

Die DJO-Deutsche Jugend in Europa setzt sich zum Ziel, durch internationale Jugendarbeit Fremdenangst, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entgegenzuwirken.
Kindern und Jugendlichen soll durch die Erfahrung des Fremden die Möglichkeit eröffnet werden, Meinungen und Vorstellungen über sich selbst zu relativieren und für die Situation von Minderheiten im Inland wie im Ausland sensibel zu werden.